Liverpool/UK 2008

Licht und Maßstab
PLDA Workshop in Liverpool, der zweiten Kulturhauptstadt Europas.

Es ist Freitagabend in der Beatles- Stadt. Cirka 150 Menschen haben sich im Contemporary Urban Centre in Liverpool zusammen gefunden.
Nach der eintägigen Konferenz zum Thema „Light and Scale“ (deutsch: Licht und Maßstab) und den Präsentationen der Endresultate des PLDA Workshops strömen nun alle Teilnehmer nach draußen um sich das erste Workshop Projekt anzuschauen. Sie müssen nicht weit laufen, denn das erste Projekt ist das CUC selber.

Der Amerikaner Brian Mosbacher und sein Team erzählen die Geschichte des Gebäudes durch die Beleuchtung der Hauptfassade. Die hohen bogenförmigen Schluchten, in denen früher die Lastenaufzüge hingen, strahlen weiß und symbolisieren die frühere Funktion des Gebäudes: das Lagern von Baumwolle. Die massive Backsteinfassade leuchtet in einem warmen orange und verleiht dem sonst eher trist aussehenden Gebäude eine einladende Ausstrahlung. Die Fensterreihen auf der Backsteinfassade sind abnehmend blau bis weiß hinterleuchtet und symbolisieren den „Junpstart“ (deutsch Starthilfe), denn das Gebäude wurde bis vor kurzem in einem aufwändigen Projekt komplett renoviert. Nach langer Zeit des Leerstehens befinden sich im CUC nun Architektenbüros, Ateliers und andere Kulturräume.

Das Thema des Workshops „Light and Scale“ verkörpert auch den „Menschlichen Maßstab“. Jöran Linder und Erik Olsson aus Schweden haben diese Botschaft einzigartig bei der Konferenz präsentiert.
Doch die beiden Designer haben das Thema nicht nur theoretisch drauf, sie wissen wovon sie reden und haben es auf dem Great Georges Square unter Beweis gestellt. Jede größere Stadt hat neben den schönen Flecken, wo die wohlhabenden Menschen wohnen, auch seine sozial kritische Gegend. In eben einem dieser Stadtteile von Liverpool liegt dieser Great Georges Square. Bevor der PLDA Workshop nach Liverpool kam, war der Platz lieblos und zu dunkel, nur mit Natriumdampflampen beleuchtet. Viele verschieden große Licht- Punkte säumen nun den Weg und leiten sicher quer über den einst leeren Platz, der an Struktur und Elementen gewonnen hat. Eingerahmt ist der Platz an einer Seite von einer Mauer, an denen Metallbänke angebracht sind. Diese wurden linear unterleuchtet und bilden damit einen sichtbaren Rahmen zum Platz. Auf der anderen Seite des Platzes liegt ein kleiner, betonierter Kinderspielplatz, der von einem mächtigen Baum überdacht ist. Der Baum wurde im Rahmen des Workshops von Kindern der anliegenden Grundschule mit farbigen Flaschen geschmückt. In jeder Flasche steckt ein Wunsch des Kindes, das sie bemalt hat. Der menschliche Maßstab stand nicht nur bei der Gestaltung des Baumes im Vordergrund, sondern auch bei der Beleuchtung der Haustüren der Anwohner. In England ist es Brauch, dass jeder Hausbesitzer seine Tür in einer eigenen Farbe wählen darf. Diese wurden dezent illuminiert und somit die Anwohner ebenfalls in das Projekt involviert. Aufgelockert wird das Gesamtbild außerdem durch die großen beleuchteten Bäume, die den Platz umranden.

Der Great George’s Square ist aber nicht das einzige Projekt des Workshops in Liverpool welches in einer Wohnsiedung liegt. Unter den Augen der massiven anglikanischen Kathedrale liegt eine solche Wohnsiedlung. Die Siedlung ist spärlich, nur mit Natriumdampflampen beleuchtet, welches die gesamte Umgebung einnimmt und zerstört. Isabelle Corten und ihr Designteam haben es sich zur Aufgabe gemacht, das raue Umfeld für die Bewohner ein wenig gemütlicher und somit auch sicherer zu machen. Mit kleinen Akzenten und einer cleveren Gobo- Projektion wurde hier eine ganz neue, Menschen betonende Atmosphäre geschaffen.

Eine ganz andere Atmosphäre hat Michael Schmidt mit seiner Gruppe im Eingangesbereich des früheren Friedhofsgeländes, des St. James’s Garden geschaffen. Hier konnte es ruhig gruselig sein.
Steht man am Eingang des schmalen Ganges, der in die Unterwelt führt, kann man auf eine kleine türkis- blaue Grabanlage und eine Gobo- Projektion gucken. Außerdem fällt der Blick auf einen roten Baum, der das Bild ein wenig stört.
Geht man den Gang herunter, muss man durch einen Tunnel gehen, der zur „Unterwelt“ führt. Der Tunnel strahlt in einem unheimlichen rot- orange. Hat man ihn durchquert ist alles dunkel, bis man im Garten angekommen ist. Dreht man sich nun nach links, sieht man eine ganz andere Szene als von oben. Die blau- türkisen Gräber werfen lange Schatten an die hohen steinernen Mauern, die Gobo- Projektion spendet Licht und wagt man ein paar Schritte in Richtung der Grabsteine zu machen. Dort entdeckt man ein besonders schönes Grab, welches als einziges angeleuchtet wird. Auf der linken Seite befindet sich eine kleine Höhle, die mit einem Gitter versperrt ist. Auch sie ist ausgeleuchtet und wirft Licht auf den sonst so unheimlichen Ort.

Verlässt man den Eingangsbereich und geht den dunklen Weg weiter, der in das Zentrum des St. James’s Garden führt, fällt eine beleuchtete Wand auf der linken Seite ins Auge. Geht man in Richtung dieser Wand entdeckt man, dass hier nicht nur einfach eine beleuchtete Wand ist, sondern dass es hier viele bogenartige Wandeinlässe gibt, die zu früheren Zeiten Eingänge auf den Friedhof waren. In einer dieser Öffnungen entspringt eine natürliche Quelle. Der Bogen ist so ausgeleuchtet, dass man die verschiedenen Steinschichten erkennen kann. Vor diesem Bogen ist ein kleines Bassin, auf dessen Oberfläche sich diese Szene spiegelt. Weiter hinten an der Wand findet man Grabsteine vor kleinen Nischen. Diese Nischen sind farbig ausgeleuchtet. In der Mitte dieser Kulisse steht ein Monument. Es ist eine Erinnerungsstätte an den Staatsmann William Huskisson, der von der ersten Lokomotive („Rocket“ von George Stephenson) getötet wurde.
Das Monument hat rund herum eine Fensterreihe, aus der das von innen kommende Licht heraus- und dem Natriumdampflicht entgegen strahlt.
Leider konnten Lisa Hammond und ihre Gruppe nicht komplett gegen das massiv von den Straßen oberhalb in das Areal hereinschwappende Natriumdampflicht anarbeiten und den Effekt ihrer Installation somit weiter verstärken.

Auf der anderen Seite des an Liverpool grenzenden Flusses, des Mersey Rivers, liegt der Stadtteil Birkenhead.
Viele Einwohner Birkenheads pendeln jeden Tag durch einen der zwei Tunnel nach Liverpool. Gelüftet werden die Tunnel auf beiden Seiten durch riesige Ventilationstürme, die man sowohl von der Birkenhead, als auch von der Liverpool Seite aus gut sehen kann.
Kevan Shaw und sein Designteam haben dieses Pendeln in ihr Konzept aufgenommen, es in eine Metapher verwandelt: Atmen.
Die Stadt atmet morgens alle Pendler ein und atmet sie abends wieder aus. Der Tunnel atmet die Pendler ein und aus. Der Tunnel selber atmet frische Luft ein und schlechte aus. Das Organ dafür ist der Ventilationsturm. Dieser spezielle Ventilationsturm ist komplett aus Beton. Es gibt zwei Boxen an den Außenseiten, die man als „Nasenlöcher“ ansehen kann, durch die Frischluft in den Tunnel gepumpt werden. Außerdem gibt es einen Turm, einen „Rachen“, aus dem die verbrauchte Luft ausgestoßen wird. Die Frischluft ist kühl und die beiden „Nasenflügel“ wurden deshalb mit einem kühlen Blau beleuchtet. Die Luft, die aus dem „Rachen“ strömt ist warm und in der Farbe Magenta wiedergegeben.
Das Ausströmen der Luft wird durch einen Farbwechsel im Bereich Magenta symbolisiert.
Weitere Ideen waren, den Farbwechsel je nach Verkehrssituation stärker oder schwächer erscheinen zu lassen und den gegenüberliegenden Turm ebenfalls zu beleuchten. Leider war dieses aus Zeitmangel nicht möglich.

Das zweite Projekt auf der Birkenhead Seite war das Wirral Museum, welches der Brite Sam Neuman und sein Team illuminiert haben. Genau wie der Ventilationsturm kann man das Gebäude (hier nur den Turm) von der Liverpool Seite aus sehen. Die zwei Projekte wurden aus gutem Grund gewählt. Das Ziel war Birkenhead mit Liverpool optisch zu verbinden
Das heutige Museum ist das alte Rathaus der Stadt und im Neoklassischen Stil gebaut. Der Turm des Museums ist weiß beleuchtet, sodass seine schöne Sandsteinfassade, die Architektur, die Uhr und das grüne Kupferdach unverfälscht zur Geltung kommen. Die Fenster an der Frontfassade sind in einem warmen Orange ausgeleuchtet und sollen die Attraktivität des sonst in der Dunkelheit vergessenen Gebäudes unterstreichen und Besucher hereinlocken. Teile des Platzes vor dem Museum und die Stufen zum Eingang sind ebenfalls in einem warmen Orange gefärbt, sodass der Eindruck entsteht, man befinde sich auf dem Weg bereits im Gebäude.

Homepage
http://www.pool-of-light.co.uk