Alingsås/S 2008

Inside / Outside
PLDA Workshop in Alingsås/S 2008


Es ist Freitagabend in einer schwedischen Kleinstadt. Der Marktplatz in Alingsås ist wohl gefüllt. Eine Gruppe von 30 Trommlern spielen ihre mitreißenden Rhythmen vor einer kleinen Bühne. Kjell Hult, der Chef der Kommune betritt die Bühne um alle Anwesenden zu begrüßen.
Nacheinander holt er die acht Lichtdesigner auf die Bühne, die zusammen mit fast 60 Teilnehmern eine Woche lange Tage und lange Nächte an ihren Projekten gearbeitet haben. Sie stellen kurz ihre Projekte vor und preisen sie an.
Dann spricht Kjell Hult die Worte, auf die alle ein ganzes Jahr warten mussten: „Lights in Alingsås ist eröffnet!“ Das bereits zum neunten Mal!
Die Menschen auf dem Marktplatz setzen sich in Bewegung. Anders als in den letzten Jahren strömen sie in alle Richtungen zu den sechs Licht Installationen aus.

Die Italienerin Susanna Antico und ihre Gruppe haben in zwei typischen schwedischen Hinterhöfen, den Sunyards gearbeitet. Der Name ist Programm; aber nur während des Tages. Der vordere Teil des Hofes, durchzogen von kleinen Inseln die Wege formen, wird in der Dunkelheit nur von den an den Haustüren angebrachten Leuchten und einer viel zu hellen Straßenleuchte in der Mitte des Hofes illuminiert. 
Das Konzept, welches die Lichtdesignerin und ihre Gruppe installiert haben trifft den „Nerv der Lichtdesign-Zeit“. Dezent aber nicht zu dunkel, punktuell und mit warmen Lichtfarben wurde hier gearbeitet. Es bringt die wärme und die Sicherheit aus den Häusern nach draußen.
Die Sicht auf den hinteren Teil des Hofes wird durch ein rotes Holzhaus versperrt. Der untere Teil scheint in der Dunkelheit zu glühen. An den Hauswänden sieht man die langen Schatten der von innen beleuchteten Büsche.
Der zweite Hof ist ebenfalls dezent beleuchtet. Anders als in dem vorderen Hof ist hier aber eine freie Fläche in der Mitte. Ein Sandkasten und ein Schaukelpferd zeugen von der Lebendigkeit dieses Ortes. An einer Wäschespinne hängen Socken - frisch gewaschen wehen sie strahlendweiß in der Nacht.

Schlendert man die Einkaufstraße in Alingsås herunter, sieht man links und rechts viele Geschäfte. Nicht aber das Projekt des Lichtdesigners Gary Campell und seiner Gruppe. Versteckt, durch einen kleinen blau beleuchteten Tunnel zu erreichen, betritt man ein kleines Wunderland. Die Entdeckungsreise beginnt schon im Eingangsbereich. Hinter dem Tor ist ein Spiegel versteckter der sanft wechselnd einen Hauch blau-türkises Licht auf die gegenüberstehende Wand und auf die Decke wirft. Ein Kronleuchter empfängt die Besucher und bereitet sie auf das vor, was dieser typische schwedische Hinterhof für sie bereithält. Sein Schatten wird an eine weiße Häuserwand reflektiert. Die kleinen Kanaldeckel sind von innen beleucgtet und sein Gitter wirft Schatten auf die Personen die über sie hinweggehen. Eine alte grüne Pumpe strahlt vor neuer Energie und seine längst trockene Quelle wird wieder zum Leben erweckt. Farbenroh, aber nicht zu bunt beleuchtet findet man seinen Weg zu den kleinen Geschäften und den Cafes, die sich hier verstecken. Man fühlt sich wie in einem bunten Zimmer. Der Mond schaut von einer Hausfassade aus in den Hof.
Durch eine enge, hohe und sehr farbenfrohe Gasse verlässt man das Wunderland wieder und steht auf einer kleinen dunklen Seitenstraße. Man will zurück in das Wunderland, doch die Besucherströme lassen einen nicht zurück.

Mission Vision ist das Thema für die Missionskirche von Alingsås. Nüchtern steckt diese in einer Häuserfront. Als Kirche ist sie wirklich schwer zu erkennen. In der Nacht verschwindet sie ganz. Mit ihr ihre Symbole und damit ihre Identität. Sie ist ein Gebäude von vielen hier in der Straße. Georgios Paissidis und Iva Vassileva haben es sich mit ihrer Gruppe zur Aufgabe gemacht das zu ändern; der Kirche bei Nacht eine Identität zu geben. Architektonische Merkmale hat das Gebäude kaum, deswegen konzentriert sich das Konzept auf die Symbole der Kirche, wie zum Beispiel das Kreuz auf dem Dach oder die sieben Fenster über dem Eingang. Der Name der Kirche steht stolz, in goldenen Lettern über der Eingangstür. Im Gesamtbild eine Harmonie zwischen Gebäude und Symbolen zu schaffen das ist hier wirklich gelungen.

Etwas von der Innenstadt abgelegen liegt die Stampens Kvarn, eine rote alte Mühle an einem kleinen Fluss. Sie liegt schon lange still und dient heute als Museum. Doch der Lichtdesigner Berry van Egten und seine Gruppe haben die Mühle geweckt; ihr neues Leben eingehaucht.
Das wilde, energiereiche Wasser schießt unter der ersten Brücke hindurch und gibt der Mühle neue Kraft. Einmal durch die Mühle hindurch geflossen hat der der Strom die Energie verloren und schläft auf dem Weg zur nächsten Brücke wieder ein. Die Mühle selbst war vor der Workshopwoche im Dunklen kaum zu erkennen. Sie schlief ruhig beim Rauschen des Wasserfalls. Nun sind die Fenster hell erleuchtet, Mühlenräder schlagen große Schatten, es sieht aus, als wenn hier wieder jemand arbeitet. Im Wasser markieren insgesamt 300 Meter faseroptische Lichtleiter den Energiestrom.

Der Bahnhof einer Stadt sollte das Aushängeschild jener sein. Dieses ist in Alingsås nicht der Fall.
Während des Tages ist der Bahnhof vom weit entfernten Marktplatz aus zu sehen. In der Nacht liegt das Gebäude dunkel und nicht erkennbar an der Bahnstrecke zwischen Stockholm und Göteborg. Die Lichtdesigner Farah P Barnes und Sean Ghazavi haben es sich zusammen mit ihrer Gruppe zur Aufgabe gemacht dieses für eine Stadt so wichtiges Gebäude zu einem echten „Hingucker“ zu machen. Sie haben es geschafft und die architektonischen Vorzüge des typisch schwedischen Gebäudes hervorgehoben, zusammen mit den großen bunten Bäumen vor dem Bahnhof ein harmonisches Gesamtbild geschaffen.

Was sollte ein Parkplatz ausstrahlen wenn man in der Dunkelheit sein Auto verlässt? Ein Gefühl von Sicherheit! Der Parkplatz, den die Designerinnen Lotta Löfgren und Karolina Hahn als Workshop Projekt hatten hat dieses nicht ausgestrahlt. - Bis die beiden Schwedinnen und ihre Gruppe sich ihm annahmen.
Spärlich beleuchtet lag dieser Betonklotz in einem Wohnviertel. Inside/Outside - die Wohnräume nach außen bringen und erweitern und den urbanen Platz nach innen bringen und „wohnlicher“ machen war auch hier die Idee des Konzeptes. - Die überdimensionalen freistehenden Wohnzimmerleuchten auf dem oberen Parkdeck machen schon mal den Eindruck eines Wohnraumes.

Die Zeit in Alingsås hat wieder gezeigt, dass Licht(design) nicht nur Fachpublikum anzieht. Es zieht alle an, wir brauchen Licht und sind von ihm fasziniert. Du und ich und auch der Kegelverein aus dem Schwarzwald, den wir am Eröffnungsabend in Gary’s Yard getroffen haben. Alle vereint in der Lichtstadt Europas – Alingsås.