Der Ton des Lichtes - PLDA workshop in Stavanger/ Norwegen 2008

Es ist Samstagabend in der Europäischen Kulturhauptstadt Stavanger.
Das Wetter im Süden Norwegens ist gut und die Kneipen rund um den Hafen sind gut gefüllt, während die Sonne untergeht. Es ist 21.30 Uhr. Aber nicht jeder in Stavanger geht heute zu den typischen Plätzen der Abendveranstaltungen. Viele Leute aller Altersgruppen begeben sich in einen Teil der Stadt, der nach Anbruch der Dunkelheit normalerweise eher weniger Besucher anzieht – Bjergsted Park, der Platz um die Stavanger Konzerthalle.

City of Stavanger

Das Programm der Kulturhauptstadt 2008 hat einige tausend Besucher aus der ganzen Welt angelockt, die sich an außergewöhnlichen Konzerten, innovativen Theaterstücken und Tanzeinlagen erfreuen und erstklassige Ausstellungen besuchen möchten.
Bis zum 21. September 2009 lädt das Stavanger Konzerthaus Anwohner, Touristen und Experten ein, sich sechs experimentelle architektonische Lichtinstallationen rund um den Bjergsted Park anzuschauen.

Die Projekte sind Resultate aus dem groß angelegten Workshop, der in Zusammenarbeit mit der Professional Lighting Designers' Association, PLDA vom 18. – 23. August stattfand. Die PLDA veranstaltet zwei bis drei solcher Workshops pro Jahr, um Studenten des Faches Lichtdesign und anderen artverwandten Berufen die Chance zu geben, unter professioneller Anleitung ein Lichtdesignkonzept zu entwickeln und zu realisieren.

Der Workshop in Stavanger hatte einen allumfassenden, einzigartigen Aspekt: Alle Projekte wurden mit Musik oder Geräuschen untermalt, die von Komponisten des Konzerthauses und der angrenzenden Musikhochschule komponiert wurden.  Die Lichtdesigner und ihre Teams haben eng mit den Musikern und Komponisten zusammengearbeitet, um die richtige Musik zu finden, welche die Atmosphäre verstärkt, die durch Lichtdesign geschaffen wurde.

Nach einer Woche harter Arbeit an den Projekten waren alle auf die Eröffnung gespannt.
Es lag Aufregung in der Luft als die Besucher der vorgeschlagenen Route rund um den Park folgten; irgendetwas ließ die Menschen erstaunen. In der Nacht nach der Eröffnung war die Atmosphäre im Park noch spannungsgeladener.
Die Bewohner aus Stavanger brachten ihre Familien und Freunde mit um zu sehen, welche Veränderung Licht auf die Plätze ausübte, an denen sie als Kind gespielt hatten oder an denen sie mit ihren Hunden spazieren gehen.

Der Eingangsbereich, ein großer asphaltierter Platz, den die Konzertbesucher und Studenten für gewöhnlich nur schnell überqueren, wurde ein Platz der Fantasie: eine Skulptur mit dem Namen „Take a seat“ (zu deutsch: „Nimm Platz“), der aus einer Anhäufung von Sitzbänken bestand, brachte bei wechselndem blauen und türkisem Licht Kreischgeräusche und bedachte Missklänge hervor.
Menschen blieben stehen und starrten auf die Skulptur, einige machten Fotos. Kinder sprangen über die Linien aus Licht, die den gesamten großen Platz einnahmen und aus eben diesem eine Spaßstätte machten.
(Der Eingang, Team von Paul Pamboukian, PLDA/ Südafrika).

Das Metalldach des Konzerthauses (Die Konzerthalle, Team von Maurice Brill, PLDA/ Großbritannien) strahlt in majestätischer Stille. Die beleuchteten Bögen, die letztlich die Beleuchtung der Lobby ausmachen, zeigen Besuchern, die zum ersten Mal zum Konzerthaus kommen, wo der Eingang ist. Die Blumenbeete strahlen in rot, die Treppen sind aus Sicherheitsgründen separat beleuchtet.

Liedzeilen von Queen’s "We are the Champions…", gesungen von einer Gruppe Jugendlicher, die an dem Klettergerüst stehen (Der Spielplatz, Team von Sharon Stammers, PLDA/ Großbritannien) und Freudenschreie kleiner Kinder, die Schattenspiele im blauen Licht der Grotte machen (Die Grotte, Team geleitet von Erik Selmer, PLDA/Norwegen), füllen den Park mit Leben.

Unten am Seeufer schläft ein altes Lagerhaus und grunzt. Die, die es von dem kleinen Steg aus sehen, schauen gebannt auf die Fassade des Lagerhauses, die durch sorgfältig positionierte Projektoren auf dem Wasser des Fjord-Reservoirs reflektiert wird. (Das Lagerhaus, Team von Mario Rechsteiner, PLDA/ Schweitz). Das Lagerhaus- Projekt erstreckt sich über drei Level – von den großen alten Bäumen  über den Park und die Straßen runter zum Ufer.

Zurück in der Stadt erleben die Besucher schon die finale Überraschung: Eine Unterführung aus Beton. Während des Tages wird der rein funktionale Durchgang nur von Graffitis geschmückt. In der Nacht entsteht hier ein Lichtermeer aus gelbem, grünem und violettem Licht. (Die Unterführung, Team geleitet von Victoria Coeln/ Österreich). An der Unterführung tummeln sich Jugendliche, die zu ihrer auf ihren iPods mitgebrachten Musik „abhängen“. Die Decke der Unterführung ist ein Meer aus farbigen Schatten. Die Kids haben diesen urbanen Ort für sich eingenommen.  

Die Magie von Licht und Sound wird in den Herzen derer bleiben, die Zeuge davon geworden sind, was sich lange Zeit angekündigt hat: Momente voller Bewunderung und Freude, die für die vielen langen, dunklen Monate im Gedächtnis bleiben.
Auf einer Wellenlänge: Lichtdesign und Musik

Weitere Informationen finden sie unter: www.lightandmusic.no

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Louise Ritter: lritter@via-internet.com